Clearing ist eine zeitlich und inhaltlich klar vereinbarte Phase, in der offene Fragen nicht nur am Schreibtisch, sondern im pädagogischen Alltag bearbeitet werden. Ziel ist eine belastbare Empfehlung für die weitere Hilfeplanung.
Auftrag und Fragestellung
Vor Beginn werden konkrete Fragen formuliert: Welche Situationen destabilisieren? Welche Beziehungsangebote werden angenommen? Welche Tagesstruktur ist realistisch? Welcher Schutzrahmen wird benötigt? Ohne klaren Auftrag droht Clearing zur bloßen Zwischenunterbringung zu werden.
Beobachten, beteiligen, dokumentieren
Fachkräfte verbinden Alltagsbeobachtung, Gespräche, Biografiearbeit und Rückmeldungen der beteiligten Stellen. Die Perspektive des jungen Menschen gehört ausdrücklich dazu. Einschätzungen werden als Hypothesen kenntlich gemacht und anhand konkreter Situationen begründet.
Ergebnis und Empfehlung
Am Ende stehen keine pauschalen Etiketten, sondern nachvollziehbare Aussagen zu Ressourcen, Risiken, pädagogischer Erreichbarkeit und geeigneten Rahmenbedingungen. Empfehlungen können ein 1:1-Setting, ein Kleinstsetting, eine andere stationäre oder ambulante Hilfe oder weitere Diagnostik betreffen.
Clearing im Reiseprojekt
Ein Reiseprojekt kann einen alltagsnahen Rahmen bieten, wenn Ortswechsel fachlich begründet, Ziele klar vereinbart und Schutz sowie Erreichbarkeit verbindlich geregelt sind. Die Abstimmung mit dem Jugendamt erfolgt während der gesamten Maßnahme.
